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Regensburg. Die Jungen Freien Wähler (JFW) Bayern haben eine neue Spitze. Bei ihrer Jahreshauptversammlung in Regensburg wählten die Mitglieder die vormalige stellv. Vorsitzende Maria Horn-Hörtrich zur Landesvorsitzenden. Sie folgt auf den Landtagsabgeordneten Julian Preidl. Er bleibt der Vereinigung in neuer Rolle erhalten, als erster Generalsekretär der JFW Bayern. Die deutlichsten Worte des Tages kamen von ihrem Hauptredner: Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring nutzte seine Grundsatzrede für einen scharfen Angriff auf CSU-Vize Manfred Weber.
Die Gästeliste zeigte, welches Gewicht die Partei ihrem Nachwuchs beimisst. Neben Mehring waren die Landrätin des Landkreises Regensburg, Tanja Schweiger, und der Bundesvorsitzende der Jungen Freien Wähler Deutschland, Georg Probst, gekommen.
Schweiger: „Viele verstehen den roten Faden nicht mehr“
Schweiger lobte die Arbeit der JFW. Auf die Freien Wähler kämen viele Herausforderungen zu. Entscheidend sei, das Ohr an der kommunalen Basis zu behalten. „Viele Menschen verstehen den Staat nicht mehr“, sagte die Landrätin. „Dabei sind die Leute bereit, auch die Folgen von Reformen mitzutragen, wenn sie den roten Faden erkennen. Genau den sehen gerade viele nicht mehr.“ Es fehle das Gefühl, mitgenommen und gesehen zu werden. „Das haben die Freien Wähler über Jahrzehnte geschafft. Daran müssen wir festhalten.“ Zugleich forderte Schweiger einen Kurswechsel in einer Grundsatzfrage: „Wir müssen den Leistungsgedanken wieder in den Mittelpunkt stellen.“
Georg Probst richtete den Blick auf die Bundesebene der Jungen Freien Wähler. Dort wolle man dieselbe Sachpolitik machen wie in Bayern, doch fehlten noch die Strukturen. „Bayern ist für uns nach wie vor der Motor für den Bund“, sagte Probst. Die Freien Wähler müssten die politische Mitte bilden und Menschen zurückholen, die sich abgewandt hätten. Die Ängste in der Gesellschaft seien groß, vom russischen Angriffskrieg bis zur Frage, wo man bezahlbar wohnen kann. „Wir müssen den Leuten sagen, dass wir da sind und mit allen reden.“ Das größte Problem sei die geringe Bekanntheit. „Viele Menschen würden uns wählen, wenn sie uns kennen würden.“ Kritik übte Probst an der Debatte über neue Abgaben wie eine Zucker- oder Alkoholsteuer. „Den Bürgerinnen und Bürgern wird verkauft, dass sie am Ende mehr haben. In Wahrheit haben wir dann alle weniger.“
Junge Landräte, jüngster Bürgermeister
Der scheidende Landesvorsitzende Julian Preidl rief seine Mitglieder auf, vor Ort sichtbar zu sein. „Wir dürfen die Marktplätze nicht den Schwurblern und Extremisten überlassen“, sagte er. Oft reiche schon ein kleiner Infostand mit Pavillon. Extremisten seien auch in den sozialen Medien stark vertreten, zunehmend mit Inhalten, die mit Künstlicher Intelligenz erstellt werden. Darauf müsse man mit ständiger Präsenz antworten. „Wahlkampf kann keiner mehr sehen. Es geht darum, die Menschen dauerhaft zu begleiten und immer für die Bürgerinnen und Bürger da zu sein.“
In seinem Geschäftsbericht zog Preidl eine positive Bilanz, vor allem mit Blick auf die Landratswahlen. „Keine Partei in Bayern stellt so viele junge Landräte wie die Freien Wähler“, sagte er. Mit Lorenz Höfler komme zudem der jüngste Bürgermeister Deutschlands aus den eigenen Reihen. Auch im Landtag sei man vorn: „Gemessen an der Größe der Fraktion haben wir die meisten jungen Abgeordneten in Bayern.“ Nach Kassenbericht und Bericht der Kassenprüfer entlastete die Versammlung den bisherigen Vorstand.
Sozialpolitikerin an der Spitze
Die neue Landesvorsitzende Maria Horn-Hörtrich ist seit 2020 Mitglied der Freien Wähler und seitdem ehrenamtlich in der Partei aktiv. Sie hat Soziale Arbeit und anschließend Sozialmanagement studiert, promoviert derzeit und arbeitet im öffentlichen Dienst. Sie sieht sich als Sozialpolitikerin. Nach ihrer Wahl sagte sie: „Ich danke den Jungen Freien Wählern aus ganz Bayern für ihr Vertrauen. Als Jugendorganisation einer Regierungspartei tragen wir eine besondere Verantwortung: Wir sitzen nicht am Spielfeldrand, sondern dort, wo Politik für Bayern gemacht wird. Genau deshalb wollen wir den Stimmen der jungen Menschen in Bayern Gehör verschaffen, mit klarem Kurs, frischen Ideen und dem Anspruch, die Politik der Freien Wähler von morgen aktiv mitzugestalten.“
Ihr stehen vier Stellvertreter aus vier Bezirken zur Seite: Florian Mies (28, Niederbayern), Eva Mack (18, Mittelfranken), Jacob Buys (22, Oberbayern) und Fabian Schmid (23, Oberpfalz).
Schriftführerin ist Milena Heisinger (26, Oberfranken), Schatzmeister Alexander Krauß (24, Oberfranken). Max Vogl (19, Oberpfalz) kümmert sich als Referent für neue Medien um die Online-Auftritte, Matthias Murr übernimmt die Pressearbeit. Als Beisitzer gewählt wurden Elias Braun, Thomas Gärtner, Michael Golling, Lorenz Höfler, Johannes Puschek, Manuel Spar, Mikka Ion Steinert und Felix von Zobel. Erstmals hat der Verband außerdem einen Generalsekretär und einen Geschäftsführer benannt. Generalsekretär wird Julian Preidl, Geschäftsführer Andreas Düthorn.
Die Versammlung zeigte einen Verband, der wächst und sich organisatorisch breiter aufstellt. Mit Preidl als Generalsekretär bleibt der direkte Draht in die Landtagsfraktion erhalten. Inhaltlich zog sich ein Gedanke durch fast alle Redebeiträge: Die Freien Wähler wollen die politische Mitte besetzen und sich klar von den Rändern abgrenzen. Am deutlichsten formulierte das der prominenteste Redner des Tages.
Minister Mehring: Konservative Politik braucht ein modernes Update!
Die Grundsatzrede beim Landesparteitag des FW-Nachwuchs hielt Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring. Der Vize-Parteichef der Freien Wähler in Bayern warb dabei für ein modernes Update konservativer Politik, die den Draht zur jungen Generation verloren habe. Die JFW sieht Mehring dabei als „Frischzellenkur für das bürgerlich-liberale Lager“. „Wir Freien Wähler sind die modernen Konservativen!“, so Mehring unter dem tosenden Applaus des FW-Nachwuchs.
Mehring attackiert CSU-Vize Weber scharf: „Politischer Selbstmord aus Angst vor dem Tod!“
Hart ins Gericht ging Mehring in seiner umjubelten Rede mit CSU-Vize Manfred Weber, der kurz vor Beginn der JFW-Versammlung das Aus für die Brandmauer gefordert hatte. Mehring: „Manfred Weber hat offenbar jeden politischen Kompass verloren. Als im Frühjahr Chatprotokolle über die Zusammenarbeit der von ihm geführten EVP-Fraktion mit Rechten öffentlich wurden, wollte er davon nichts gewusst haben und schloss jede strukturelle Zusammenarbeit aus. Einen Pfingstbrief und wenige Wochen später fordert Weber nun das glatte Gegenteil und erklärt die Brandmauer zur AfD für beendet. Das ist ein persönlicher Offenbarungseid und ein gewaltiger politischer Fehler, der die Union schwer belastet. Wer aus Angst vor der AfD mit Verfassungsfeinden kooperiert, begeht politischen Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Die AfD will die Union vernichten. Wenn die Union mit der AfD paktiert, wird sie zuerst ihr Steigbügelhalter und dann ihr Juniorpartner. So halbiert die Union nicht die AfD, sondern sich selbst – bis nichts mehr von ihr übrig ist. Für mich ist klar: Wenn ihr Vize die Brandmauer einreißen will, muss die CSU jetzt ihr Verhältnis zur AfD klären – und ihr Verhältnis zu Manfred Weber.“